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Private Hausbriefkästen – ein Stück Zivilisation

Private Hausbriefkästen - ein Stück ZivilisationEs ist noch nicht einmal 100 Jahre her, da brachte der Briefträger nicht nur bunte Ansichtskarten aus den Ferien und parfümierte Liebesbriefe. Der Postbote kassiert an der Haustür auch die Miete und konnte sogar Geld auszahlen. Heute sind nicht einmal mehr Kontoauszüge oder die Telefonrechnung im Briefkasten. Private Hausbriefkästen bleiben immer öfter leer und das nicht selten tagelang. Trotzdem gehören private Hausbriefkästen zu jeder Wohnung, denn sie sind ein Stück Zivilisation und Kulturgeschichte.

Ursprünglich aus Florenz


Den ersten Briefkasten gab es schon im 16. Jahrhundert in der italienischen Stadt Florenz. Dabei handelte es sich um einen einfachen Kasten aus Holz, in den die Bürger der Stadt anonym Anzeigen und Beschwerden an die Regierung legen konnten. Ein Jahrhundert später dienten die Holzkästen als eine Art Postfach für Geistliche. Private Hausbriefkästen kamen erst im 20. Jahrhundert in Mode. Zuvor mussten die Briefträger in Mehrfamilienhäusern an jeder Haustür klingeln, wenn sie Post für die Mieter hatten. Das war in den Mietskasernen wie beispielsweise in Berlin, sehr anstrengend, zumal viele Mieter noch Untermieter hatten, die ebenfalls Post bekamen. „Kaum ein Amt ist beschwerlicher als das eines Briefträgers“, klagte 1873 ein Funktionär der Postverwaltung des Deutschen Reiches. Einfacher war es für den Postboten in den eleganten Villen, wo am Vormittag entweder die Hausfrau oder ein Dienstmädchen zu Hause waren.

Eine Arbeitserleichterung

Die Arbeit der Postboten wurde immer schwerer. Falls ein Mieter nicht daheim war oder wenn auf das Klingeln an der Tür niemand öffnete, musste es der Briefträger am nächsten und übernächsten Tag noch einmal versuchen. Die Bevölkerung in den Städten wie in Berlin wuchs stetig und immer mehr Menschen wohnten in den vielen Stockwerken der Vor- und Hinterhöfe. Die Postverwaltung begann daher, für private Hausbriefkästen zu werben. Es wurde an die Bürger appelliert, an die enorme Arbeit der Postboten zu denken, die jeden Tag unzählige Treppen steigen mussten. Mit dem Beispiel aus New York konnte sich keiner so recht anfreunden. Dort stellten sich die Postboten in den Flur oder den Hof und gaben mit einer Pfeife einen durchdringenden Ton ab. Anschließend riefen die Postboten die Namen und das Stockwerk derjenigen auf, die Post bekommen hatten. In Deutschland hingegen fiel die Entscheidung für private Hausbriefkästen.

Prämien für den Hausbriefkasten

Während in den USA gepfiffen wurde, war es den Briefträgern in Frankreich verboten, Treppen zu steigen. Sie gaben die Briefe einfach dem Portier, der sie dann an die Mieter verteilte. In Deutschland zeichnete sich keine Erleichterung für die Postboten ab. Zwar gab es jetzt in den Wohnungstüren einen Briefschlitz, aber Treppen steigen mussten die Briefträger immer noch. Erst 1955 konnten die Postboten aufatmen, denn die Post zahlte jedem Besitzer eines Mehrfamilienhauses zehn Mark, wenn im Hausflur private Hausbriefkästen für die Mieter angebracht wurden.

Fazit

Schon 1960 zählte die Deutsche Post mehr als zehn Millionen private Hausbriefkästen in Deutschland. Nur Berlin machte lange eine Ausnahme. Dort konnten sich die Briefkästen erst einige Jahre später durchsetzen. Es gab zwar immer wieder Überlegungen, die Briefkastenpflicht in das Baurecht aufzunehmen, jedoch bis heute gibt es keine gesetzliche Verpflichtung, am Haus einen Briefkasten aufzuhängen. Jeder kann selbst entscheiden, ob er einen Briefkasten möchte oder nicht.

Beitragsbild: @ depositphotos.com / ikostudio

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Redaktion

Hier schreibt die Redaktion von briefkasten-welt.com
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